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Semantik: Die Bedeutung der Sprache

Die Semantik ist ein Teilgebiet der Linguistik, das sich mit der Bedeutung von Sprache beschäftigt. Sie untersucht die Bedeutung von Wörtern, Satzteilen, Sätzen und Texten. Ein zentrales Modell in der Semantik ist das bilaterale Zeichenmodell von Ferdinand de Saussure, das besagt, dass ein Wort aus zwei untrennbaren Seiten besteht: der Wortform (Signifikant) und der Wortbedeutung (Signifikat).

Das Modell verdeutlicht, dass die Verbindung zwischen Wortform und Bedeutung willkürlich (arbiträr) ist. Sprache funktioniert nur, weil sich Sprecher auf bestimmte Bedeutungen einigen (Konventionalität).

Die Semantik beschäftigt sich mit der Beschreibung von Bedeutungen und Bedeutungsbeziehungen zwischen sprachlichen Ausdrücken. Dabei werden die Bedeutung von Wörtern (Wortsemantik) und die Bedeutung von Sätzen und Texten (Satzsemantik) unterschieden.

Ein wichtiges Phänomen in der Semantik ist die Ambiguität, also die Mehrdeutigkeit von Wörtern, Ausdrücken oder Sätzen. Es gibt verschiedene Arten von Ambiguität: lexikalische, syntaktische, phonologische, orthografische und pragmatische.

Neben der Analyse einzelner Wörter beschäftigt sich die Semantik auch mit Bedeutungsrelationen zwischen Wörtern, wie Synonymie (Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung), Antonymie (Wörter mit entgegengesetzter Bedeutung) und Polysemie (ein Wort mit mehreren Bedeutungen).

Die Semantik ist ein komplexes Gebiet, das wichtige Erkenntnisse über die Funktionsweise von Sprache und Bedeutung liefert. Sie hilft uns zu verstehen, wie Menschen miteinander kommunizieren, und wie Sprache unsere Gedanken und unsere Welt prägt.


Original text

SEMANTIK
"Der Flunkadunk stieg den Strapolat hinauf." Dir kommt der Satz komisch vor und du verstehst davon Bahnhof? Kein Wunder – dieser Satz enthält Wörter, die es in der deutschen Sprache nicht gibt. "Flunkadunk" und "Strapolat" haben keine Bedeutung. Sie können somit auch gar nicht verstanden werden. Doch warum haben diese "Nicht-Wörter" keine Bedeutung? Und was genau ist Bedeutung überhaupt? Diese Fragen versucht die Semantik zu beantworten.


Was ist Semantik ?
Einfach erklärt ist die Semantik ein Teilgebiet der Linguistik. Es beschäftigt sich mit der Bedeutung der Sprache und kann auch als Bedeutungslehre bezeichnet werden.
Die Semantik untersucht die Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken, wie Wörtern, Satzteilen, Sätzen oder Texten.
doch wozu dient das? Und was hat es mit dem Begriff der "Bedeutung" auf sich?


Semantik – Zeichenmodell: Ferdinand de Saussure
Wenn Du das Wort "Hund" hörst, denkst Du wahrscheinlich an ein vierbeiniges Tier mit Fell, das bellt. Vielleicht scheint bei Dir auch ein entsprechendes Bild vor Deinem geistigen Auge auf. Warum aber denkst du nicht an eine Katze? Eine Antwort darauf liefert ein Modell, das der schweizerische Linguist Ferdinand de Saussure (1857-1913) entwickelt hat – das sogenannte bilaterale Zeichenmodell.Ferdinand de Saussure war ein Linguist aus der Schweiz. Er lebte von 1857 bis 1913 und trug wesentlich zur Entstehung der modernen Sprachwissenschaft bei.


Dieses Modell erklärt, dass ein Wort zwei Seiten hat, die nicht voneinander getrennt werden können. Sie sind stets wie die Vorder- und Rückseite eines Blattes Papier miteinander verknüpft. Diese Eigenschaft wird auch als Bilateralität des sprachlichen Zeichens bezeichnet.


Bedeutung und Wortform
Nach Saussure besteht ein Wort aus zwei Seiten, die untrennbar miteinander verbunden sind. Die eine Seite ist die Wortform, die andere Seite ist die Wortbedeutung. Die Wortform ist die Lautgestalt, also der Klang des gesprochenen oder das Schriftbild des geschriebenen Wortes – das, was man sehen und hören kann. Die Wortbedeutung ist der Inhalt, das Bild oder die Eigenschaften, an die wir automatisch denken, wenn wir das entsprechende Wort hören oder lesen.
Mehr dazu: Für die Wortform und die Wortbedeutung gibt es in der Semantik noch andere Bezeichnungen, die gleichermaßen verwendet werden können. Von Ferdinand de Saussure wurde die Seite der Wortform ursprünglich "Signifikant", was "Bezeichnendes" bedeutet, genannt. Weitere Synonyme für die Form-Seite sind beispielsweise "Lautgestalt" oder "Lexem".
Saussure hatte die Seite der Wortbedeutung "Signifikat" genannt, was "Bezeichnetes" bedeutet. Weitere Begriffe dafür sind "Inhalt", "Bedeutung" oder "Lemma".


Die Abbildung des sprachlichen Zeichen bei De Saussure verdeutlicht noch einmal die Doppelseitigkeit eines Wortes: Oben ist die Seite der Bedeutung dargestellt: Der Inhalt, an den wir denken, wenn wir das Wort "Hund" hören oder lesen. Also an ein vierbeiniges Säugetier mit Fell, das viele Menschen als Haustier halten und das bellt.
In der unteren Hälfte ist die Wortform eingetragen. Dabei handelt es sich um die lautliche oder geschriebene Form des Wortes, das über den Hörsinn beziehungsweise den Sehsinn wahrgenommen werden kann.
Bei der Form /hʊnt/ handelt es sich um die phonetische (lautliche) Darstellung des Wortes "Hund" mithilfe von Lautsymbolen des Internationalen phonetischen Alphabets (IPA). Das bedeutet, es handelt sich dabei um eine Schreibweise, die die Aussprache des Wortes darstellt.
Es gibt ein Phänomen, das die Zweiseitigkeit von Wörtern und deren Bedeutung gut verdeutlicht: Ist es Dir schon einmal passiert, dass Dir ein Wort auf der Zunge lag? Dass Du ein ganz bestimmtes Wort sagen wolltest, aber das Wort ist Dir einfach nicht eingefallen, obwohl Du eigentlich ganz genau wusstest, was Du sagen wolltest?
Bei diesem Phänomen ist die Inhaltsseite eines Wortes präsent, aber die Wortform ist gerade nicht abrufbar. Oft erinnert man sich dann nach einer gewissen Zeit daran, wie das Wort geheißen hat. Dieses Phänomen wird in der Wissenschaft als "tip-of-the-tongue-effect" (das bedeutet aus dem Englischen übersetzt: "Zungenspitzeneffekt") bezeichnet und veranschaulicht gut die zwei Seiten eines Wortes.


Sprachliche Zeichen
Ferdinand de Saussure nannte sein Modell bilaterales Zeichenmodell. Er spricht also nicht von Wörtern, sondern von sprachlichen Zeichen. Doch was genau sind Zeichen?
Ein Zeichen ist ein Hinweis oder ein Signal, das auf einen bestimmten Sachverhalt hindeutet. Ein Zeichen steht somit für einen Sachverhalt oder einen Gegenstand. Da auch Wörter auf etwas hindeuten und für eine bestimmte Bedeutung stehen, kann Sprache auch als ein System von Zeichen angesehen werden.


Es gibt dabei verschiedene Typen von Zeichen, die drei in Gruppen eingeteilt werden können: Index, Ikon und Symbol.
Die Wissenschaft, die sich mit allen Arten von Zeichen beschäftigt, ist die Semiotik.
Ein Zeichen, das als direkte Folge auf ein Ereignis oder einen Zustand hindeutet, wird als indexikalisches Zeichen oder als Index definiert. Indizes werden auch als Symptome bezeichnet.
Zum Beispiel ist die rote Farbe eines Apfels ein indexikalisches Zeichen für dessen Reife oder für dessen süßen Geschmack. Rauch ist ein Index für Feuer. Fieber ist ein Index für Krankheit.


Die Pluralform von "Index" ist "Indizes".
Ein Ikon ist ein Zeichen, das ebenfalls auf etwas hindeutet. Jedoch besteht bei Ikonen keine direkte Folgebeziehung wie bei den Indizes, sondern ein Ähnlichkeitsbezug. Das bedeutet, ein Ikon weist eine Ähnlichkeit zum Bezeichneten auf.
Beispiel:
Dies ist bei vielen Piktogrammen der Fall, die uns häufig im Alltag begegnen. Zum Beispiel bei Piktogrammen, auf denen ein vereinfachtes Fahrrad abgebildet ist, um auf einen Fahrradweg aufmerksam zu machen.
Arbitrarität und Konventionalität des sprachlichen Zeichens
Unsere Sprachen bestehen also aus symbolischen Zeichen, wobei sich auf der ganzen Welt ganz unterschiedliche Zeichen entwickelt haben. Während ein Hund im Deutschen als "Hund" bezeichnet wird, heißt es im Englischen "dog" und im Französischen "chien". Oder warum wird ein Hund ausgerechnet als "Hund" bezeichnet und nicht als "Katze" oder "Hase"?
Die Antwort auf diese Frage ist: Es gibt keinen bestimmten Grund dafür. Ein Wort und seine Bedeutung sind zufällig und willkürlich festgelegt. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum ein Hund im Deutschen "Hund" heißt, er könnte genauso gut auch "Katze" heißen. Es heißt auch, die Verknüpfung der Bedeutung und der Form eines sprachlichen Zeichens ist arbiträr.


Doch was würde passieren, wenn Du von heute auf morgen beschließen würdest, dass "Hund" ab sofort "Katze" heißt? Oder wenn Du das "Handy" von nun an als "Buch" bezeichnetest? Dann würde es vermutlich zu vielen Missverständnissen in Gesprächen mit anderen Menschen kommen. Bedeutung kann nur verstanden werden, wenn sich alle Sprecher einer Sprache auf eine bestimmte Bedeutung eines Wortes einigen. Das bedeutet, dass Verbindungen zwischen den Wortformen und den Bedeutungen konventionell sind.


Nur wenn sich alle Menschen einer Sprechergemeinschaft einig darüber sind, dass ein Apfel "Apfel" heißt und nicht "Tomate", können Menschen miteinander erfolgreich kommunizieren.


Aufgaben einer semantischen Theorie
Zu den Hauptaufgaben der Semantik gehören:
Bedeutungen beschreiben, dh. für jeden sprachlichen Ausdruck eine Bedeutung nennen, dass sie uns etwas sagen und wir damit in unser Gemeinschaft kommunizieren können. Hier geht es um die signifiant-signifié-Relation.


Bedeutungsbeziehungen beschreiben, dh. eine Beziehung zwischen der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke ausmachen. Beispiel: Beziehung zwischen „tun „ und „machen“. Hier beschäftigt sich die Semantik mit dem signifié unter der paradigmatischen signifié-signifié-Relation.


Man unterscheidet also zwischen Wortsemantik und Satzsemantik.
In der Wortsemantik geht es um die Bedeutung von Wörtern, die wir in Wörterbüchern nachschlagen können.
In der Satzsemantik geht es um die Bedeutung von komplexen Wörtern, Sätzen, Texten…
Der Mensch ist fähig immer wieder neue komplexe Ausdrücke zu formen und die Bedeutungen dieser komplexen Ausdrücken zu konstruieren. Hier ist Bedeutung konstruierbar, vorhersagbar, denn wir sind fähig die Bedeutungen dieser komplexen Ausdrücken zu konstruieren. De Saussure benutzt dafür: „relativement motivé“. Man spricht auch vom „Kompositionalitätsprinzip“ (Frege-Prinzip).


Das Phänomen der Unterdeterminiertheit
Gemeint ist hier, dass die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks durch die Bedeutung der Teile sowie durch die Konstruktion immer nur in mehr oder weniger großer Annäherung, nicht aber vollkommen erklärt werden kann.
Beispiele: Lederschuh => ist ein Schuh, der aus Leder gemacht ist.
Schuhleder=> ist ein Material, mit dem man Schuhe
Macht.
Aber bei manchen komplexen Ausdrücken ist die Bedeutung nicht so deutlich. Es geht hier um Ambiguitäten.
Beispiel: ist ein Holzschuppen:
ein Schuppen aus Holz oder ein Schuppen, in dem man Holz lagert?
Was ist ein Kusshand? Ist es:
Eine Hand, die man küsst oder eine Handbewegung, mit der man anderen küsst?
Die Bedeutung von Wortgruppen, Z.B. bei Genitivattributen ist auch nicht deutlich: Die Eroberung Roms => Rom wurde erobert oder Rom hat erobert?


Andererseits kann die Unterdeterminiertheit komplexer Ausdrücke bis zur reinen Arbitrarität gehen: die Bedeutung des Ganzen ist dann durch die Teile und die Konstruktion überhaupt nicht motiviert. Es ist der Fall bei idiomatischen Wendungen. Beispiele: „durch die Lappen gehen“.
So fällt die Semantik in zwei Teile:
Die Semantik der Kompositionalität, deren Regeln bestimmen, wie sich Bedeutungen komplexer aus den Bedeutungen ihrer Teile und aus der Konstruktion aufbauen.
Die Semantik der Arbitrarität, in der Bedeutungen zu Ausdrücken zugeordnet werden.
Die ältere sprachwissenschaftliche Semantik war Semantik der Arbitrarität und entwickelte Konzepte der Beschreibung von Bedeutungen einzelner Wörter. Das ist die lexikalische Semantik oder Wortsemantik.
Die neuen semantischen Theorien sind dagegen Theorien der Kompositionalität und beschäftigen sich mit dem regulären Aufbau der Bedeutung komplexer Ausdrücke, vor allem von Sätzen. Das ist die Satzsemantik.


Ambiguität: Definition, Arten und Beispiele von Mehrdeutigkeit
Ambiguität bedeutet in der Semantik (= Teilgebiet der Sprachwissenschaft), dass Wörter, Ausdrücke oder ganze Sätze mehrere Bedeutungen haben.
Man spricht daher auch von Mehrdeutigkeit oder Doppeldeutigkeit.
Beispiel: Ambiguität Ich habe das Auto kaputt bekommen.
Bedeutung 1: Das Auto war schon kaputt, als ich es bekommen habe.
Bedeutung 2: Ich habe es geschafft, das Auto kaputtzumachen.
Mehrdeutige Wörter, Ausdrücke und Sätze können unterschiedlich interpretiert werden und daher zu Missverständnissen oder Unklarheiten führen.
Du benötigst also immer den Kontext, um die richtige Bedeutung erkennen zu können.
Arten von Ambiguität


Art
Beispiel


Lexikalische Ambiguität
(mehrdeutiges Wort)
Maus
Bedeutung 1: das Tier
Bedeutung 2: eine Computermaus


Syntaktische Ambiguität
(mehrdeutiger Satz)
Ana ist ziemlich schlecht.
Bedeutung 1: Ana ist schlecht in einer Sache, z. B. in Mathe.
Bedeutung 2: Ana ist übel.


Phonologische Ambiguität
(mehrdeutiger Laut)
Das ist eine Lärche/Lerche. (beim Hören nicht unterscheidbar)
Bedeutung 1: Baumart ‚Lärche‘
Bedeutung 2: Vogelart ‚Lerche‘


Orthografische Ambiguität
(mehrdeutige Schreibung)
Lachen
Bedeutung 1: das Gelächter
Bedeutung 2: die Wasserlachen (= kleinere Ansammlungen von Flüssigkeit)


Pragmatische Ambiguität
(mehrdeutige Aussageabsicht)
Wir haben Hunger.
Bedeutung 1: Ich will jetzt essen.
Bedeutung 2: Mach mir was zu esse


Ambiguität: Beispiele je nach Art
Um Ambiguität in der deutschen Sprache besser zu verstehen, solltest du dir die folgenden Arten von Ambiguität genauer anschauen:
Lexikalische Ambiguität
Syntaktische Ambiguität
Phonologische Ambiguität
Orthografische Ambiguität
Pragmatische Ambiguität



  1. Lexikalische Ambiguität
    Lexikalische Ambiguität bedeutet, dass ein einzelnes Wort mehrdeutig ist.
    Um zu wissen, welche Bedeutung jeweils gemeint ist, musst du den Kontext kennen.
    Beispiel: lexikalische Ambiguität Ich habe alles übersehen.
    Im obigen Beispiel kann das Wort ‚übersehen‘ bedeuten, dass du einen freien Blick auf etwas hast, etwa auf die Skyline von New York City vom Empire State Building aus.
    Es kann aber auch bedeuten, dass du etwas nicht bemerkt hast, z. B. einen Tippfehler in einem Text.
    In diesem Fall muss der Kontext bzw. die Situation klar sein, damit du weißt, welche der beiden Bedeutungen von ‚übersehen‘ zutrifft.
    Lexikalische Ambiguität basiert auf Polysemie oder Homonymie.
    In der Polysemie haben Wörter (= Polyseme) mehrere Bedeutungen. Die Bedeutungen weisen einen Zusammenhang auf.
    Beispiel: Polysemie Kamm: Haarkamm, Hahnenkamm, Bergkamm, Weberkamm usw.
    Die einzelnen Bedeutungen des Wortes ‚Kamm‘ haben gemeinsam, dass das jeweils Beschriebene zackenförmig aussieht.
    In der Homonymie haben Wörter (= Homonyme) ebenfalls mehrere Bedeutungen. Die Bedeutungen weisen hier aber keinen Zusammenhang auf.
    Beispiel: Homonymie Absatz: Abschnitt in einem Text, Teil des Schuhs oder Vertrieb von Waren und Dienstleistungen
    Die einzelnen Bedeutungen des Wortes ‚Absatzes‘ weisen keinen logischen Zusammenhang auf. Denn es werden komplett unterschiedliche Dinge mit diesem Wort bezeichnet.

  2. Syntaktische Ambiguität
    Syntaktische Ambiguität zeichnet sich dadurch aus, dass ein ganzer Satz mehrdeutig ist.
    Beispiel: syntaktische Ambiguität Boris verkauft das Haus seiner Schwägerin.
    Der obige Beispielsatz kann bedeuten, dass Boris das Haus an seine Schwägerin verkauft. Er kann aber auch bedeuten, dass er den Verkauf für seine Schwägerin übernimmt.
    Häufig kann sich die Ambiguität auch daraus ergeben, dass unklar ist, was das Subjekt und was das Objekt im Satz darstellt.
    Das Subjekt ist die Person oder Sache, die die Handlung ausführt. Das Objekt ist die Person oder Sache, die von der Handlung betroffen ist.
    Beispiel: unklares Subjekt und Objekt Die Frau, die die Nachbarin immer vollquatschte, war von heute auf morgen weggezogen.
    Im vorigen Beispiel ist wegen des Wortes ‚die‘ nach dem Komma nicht eindeutig, ob die Frau die Nachbarin immer vollquatschte oder umgekehrt die Nachbarin die Frau.
    Du kannst also nicht direkt erkennen, wer das Subjekt und wer das Objekt ist.
    Syntaktische Ambiguität kann in einem Satz ebenfalls aufgrund der Kommasetzung entstehen.
    Beispiel: Ambiguität durch Kommasetzung Der Chef befiehlt uns zu betrügen.
    Im vorigen Beispiel ist ohne Komma nicht eindeutig, wie der Satz zu verstehen ist.
    Es kann gemeint sein, dass der Chef jemandem befiehlt, ‚uns‘ zu betrügen. Es kann aber auch gemeint sein, dass der Befehl an ‚uns‘ geht.
    Daher sollte je nach Aussageabsicht ein Komma gesetzt werden.
    Beispiel: Kommasetzung zur Vermeidung von Ambiguität
    Wir werden betrogen: Der Chef befiehlt, uns zu betrügen.
    Wir sollen betrügen: Der Chef befiehlt uns, zu betrügen.

  3. Phonologische Ambiguität
    Phonologische Ambiguität liegt vor, wenn ein Laut mehrdeutig ist. Zwei Wörter klingen dann also z. B. ähnlich.
    Beispiel: phonologische Ambiguität Jakob möchte etwas sehen.
    Jakob möchte etwas säen.
    In diesem Beispiel klingen die Wörter ‚sehen‘ und ‚säen‘ ähnlich, meinen aber jeweils etwas anderes.
    Du kannst beim Lesen zwar erkennen, dass es sich um verschiedene Wörter handelt. Beim Hören ist der Unterschied allerdings nicht direkt erkennbar und daher mehrdeutig.

  4. Orthografische Ambiguität
    Orthografische Ambiguität bezieht sich auf gleich geschriebene Wörter, die aber jeweils etwas anderes bedeuten.
    Beispiel: orthografische Ambiguität Über etwas drüberfahren: Carla wird in der Fahrprüfung alles umfahren.
    Hindernisse umgehen: Carla wird in der Fahrprüfung alles umfahren.
    Im obigen Beispiel kann das Wort ‚umfahren‘ bedeuten, dass Carla über alles drüberfährt, was ihr in den Weg kommt.
    Es kann aber auch gemeint sein, dass sie vorsichtig alle Hindernisse umfährt.
    Wenn du die beiden Sätze laut vorliest, wirst du feststellen, dass ‚umfahren‘ jeweils anders ausgesprochen wird. Du kannst die Mehrdeutigkeit also nicht beim Lesen, sondern nur beim Hören feststellen.

  5. Pragmatische Ambiguität
    Pragmatische Ambiguität bedeutet, dass die Absicht einer Aussage mehrdeutig ist.
    Es ist also nicht eindeutig, was der Sprecher oder die Sprecherin mit der Aussage erreichen möchte.
    Beispiel: pragmatische Ambiguität Mir ist langweilig.
    Der vorige Beispielsatz kann mehrdeutig sein, wenn nicht klar ist, was die aussagende Person mit diesem Satz erreichen will.
    Es ist z. B. möglich, dass sie diese Information einfach nur mit dir teilen will. Es kann aber auch sein, dass sie von dir erwartet, etwas gegen ihre Langeweile zu unternehmen.


Bedeutungsrelationen
Der Wortschatz einer Sprache umfasst mehr als eine reine Aneinanderreihung voneinander unabhängiger Lexeme:
Kenntnis des Wortschatzes bedeutet auch immer Kenntnis der Beziehungen, die zwischen den einzelnen Lexemen bestehen.
Diese Beziehungen können von grammatischer oder semantischer Natur sein.
Erst durch die Analyse dieser Relationen kann die komplexe Gesamtstruktur des Wortschatzes adäquat erfasst werden.
Hier wollen wir die semantischen Beziehungen näher betrachten, es geht um die sogenannten Bedeutungsrelationen.


Bei den Bedeutungsrelationen geht es darum, die Beziehungen, die zwischen den sprachlichen Ausdrücken herrschen, zu beschreiben.
Aber zunächst muss zwischen paradigmatischen und semantischen Relationen unterschieden werden:


Definition paradigmatische Relationen:
Paradigmatische Relationen sind Relationen zwischen Ausdrücken, die die gleiche Distribution haben, die also in einem gegebenen Kontext für einander austausch - oder substituierbar sind.


Beispiel:
So steht in dem Satz:
Sie fand das Buch _____ das Wort spannend spannend in paradigmatischer Beziehung zu den Wörtern langweilig, gut, interessant usw:
Sie fand das Buch spannend
interessant
gut
langweilig


Definition syntagmatische Beziehungen:
Im Gegensatz zu den paradigmatischen Beziehungen bezeichnet man Beziehungen, die auf dem linearen Charakter der Sprache beruhen, als syntagmatische Beziehungen.
Beispiel: So stehen in dem Satz
Alle Hunde bellen die Wörter Alle und Hunde, Hunde und bellen und Alle und bellen in syntagmatischer Beziehung zueinander.


Paradigmatische Bedeutungsrelation


Synonymie
Synonyme sind Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung. Sie vermeiden Wiederholungen.


Beispiele: prüfen und kontrollieren
Das Abitur, das Reifezeugnis und
die Hochschulreife
Das Abkommen, die Abmachung und
die Vereinbarung
Die Amnestie, die Begnadigung und
der Straferlass
Das Andenken, das Erinnerungsstück und
Das Souvenir
Das Medikament und das Heilmittel
Köstlich, schmackhaft und lecker
Das Konfekt, die Süßigkeit und die Praline


Um die Synonymie besser zu verstehen muss man folgende Wörter erklären:
Monosystematisch
gleiche Distribution
partielle Synonymie


Wie schon erwähnt hat das sprachliche Zeichen einen Wortinhalt / Bedeutung (Signifié -Signifikat) und es ist festgelegt wie dieses Wort gesprochen/geschrieben wird => das ist die Form. (siehe das Schema von De Saussure)
Im besten Fall hat also jede Bedeutung eine geschriebene /gesprochene Form. Eine Form hat auch nur noch eine Bedeutung. Man sagt dazu, dass die Beziehung zwischen beiden Seiten monosystematisch ist.
Aber: Alle menschliche Sprachen bzw. natürliche Sprachen sind nicht monosystematisch, wie man es eigentlich erwarten würde, denn sie haben teilweise für die selbe Bedeutung eines Wortes mehrere Formen:
Forscher
Wissenschaftler
Beide Wörter haben dieselbe Bedeutung, aber es gibt zwei Formen. Also: gemeint ist dasselbe, geschrieben und gesprochen wird es anders.
Es gibt also mehr Formen als Bedeutungen!


Frage: ist es einfach echte Synonyme zu finden?
Man kann die Frage anhand folgender Beispiele beantworten:


Die Wohnung ist in der dritten Etage.
Die Wohnung ist im dritten Stock.


Hier sind Etage und Stock Synonyme.


Ein Gegenbeispiel:
Die Wohnung ist sauber.
Die Wohnung ist groß.


Der Ersatz von sauber durch groß ergibt nicht die gleiche Bedeutung. Sie sind nicht Synonyme, denn sie weisen nicht die gleiche Distribution auf.


Bei Wörtern mit ähnlicher Bedeutung kann es auch problematisch sein. Nehmen wir: Angst und Furcht
Auf dem ersten Blick sind sie Synonyme.
Aber in folgenden Sätzen nicht:
Ich habe Angst.
*Ich habe Furcht.
Beide Wörter sind nicht austauschbar, wie es scheint.
Man kann sagen: Der Film macht mir Angst. Aber nicht:
Der Film macht mir Furcht.
Man kann aber wohl sagen: Die Furcht vor den Anschlägen…
Die Angst vor den Anschlägen…


Beide Begriffe sind also nicht immer austauschbar und stehen nicht in gleicher Distribution, denn es gibt feine Bedeutungsunterschiede zwischen ihnen.


Bedeutungsähnlichkeit
Wörter mit Bedeutungsähnlichkeit fallen unter einen gemeinsamen Oberbegriff.
Beispiele: Gewässer => Bach -Teich -Fluss -See…
Geräusch => klirren – schweppern-rasseln…


Antonyme
Die Bedeutungsrelation, die zwischen einem Paar (A,B) von Gradadjektiven wie groß und klein, lang und kurz etc. herrscht heißt Antonymie: A ist ein Antonym von B.
Sie beziehen sich auf den gleichen Sachverhaltsbereich.


Polysemie
Ein Wort ist polysem, wenn es mehrere Bedeutungen hat, die miteinander verbunden sind.
Beispiel: Das Wort laufen ist polysem. Es bedeutet nicht immer „zu Fuß gehen“, sondern ein film kann „laufen“ oder man informiert sich bei jemandem „wie es läuft“. All diese Bedeutungen von „laufen“ haben aber gemeinsam, dass sie eine Fortbewegung (räumlich oder zeitlich) beschreiben.
Sprachwissenschaftlich ausgedrückt geht um Polysemie, wenn ein Signifikant zwei oder mehrere Signifikate aufruft.


Homonyme
Als Homonym bezeichnet man Wörter, die zwar gleich klingen und die selbe Form haben, aber verschiedene Bedeutungen haben.
Beispiel: Bank => Es kann einerseits als Sitzmöglichkeit, andererseits als Geldinstitut verstanden werden.


Heteronymie / Inkompatibilität
Es geht hier um Wortreihen, die einen abgeschlossenen Bedeuntungs-oder Sachverhaltsbereich abdecken.
Beispiele: blau- grün – gelb – rot…
Montag – Dienstag – Mittwoch…


Komplementarität
Es handelt sich hier um zwei komplementäre Wortbedeutungen, die zusammen einen bestimmten Sachverhalt genau in zwei Teilen.


Beispiele: tot – lebendig
Endlich – unendlich


Konversion
Es handelt sich hier jeweils um zweistellige Relationen, d.h. um Prädikate, die eine Beziehung zwischen zwei Objekten herstellen: Ehefrau(A, B), Ehemann(B, A). Aus dieser Notation wird deutlich, dass Prädikationen mit Ehemann und Ehefrau äquivalent sind, wenn man die Argumente vertauscht. Man nennt solche Relationen konvers.
Beispiele:
Wenn A die Ehefrau von B ist, dann ist B der Ehemann von A.
Wenn A B vorausgeht, dann folgt B A.
a. Karla ist größer als Fred.
b. Fred ist kleiner als Karla.

4- a. Fred trat den Hund.
b. Der Hund wurde von Fred getreten.


5- a. Fred hat Karla das Bett verkauft.
b. Karla hat das Bett von Fred gekauft.


Relation von Ober- und Unterbegriff (Hyperonymie und
Hyponymie)
Beispiel:
Tulpen sind berühmte Blumen in Niederlanden.
Hier ist „Tulpen“ ein Hyponym, also Unterbegriff von „Blumen, das ein Hyperonym, also Oberbegriff ist.


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